(JaWi) Eigentlich hatte der Dötlinger Feuerwehrmann Klaas Ehmen im Januar 2019 nur seine Verwandtschaft in Oberösterreich besuchen wollen – so wie in jedem Jahr. Doch aufgrund extremer Schneefälle wurde während seines Aufenthaltes in der Region der Katastrophenfall ausgerufen: Die örtliche Feuerwehr räumte tagelang schneebedeckte Dächer – und rekrutierte ihn kurzerhand als Helfer.

„Alles begann damit, dass ich mir das Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Grünburg ansehen wollte und deshalb das Gespräch mit einem Mitglied der Wehr suchte“, so Ehmen. Doch statt beim erhofften Rundgang durch das Gerätehaus, fand sich der Dötlinger unerwartet mitten im Katastropheneinsatz wieder. „Du kommst erst einmal mit zum Schneeschippen, morgen früh um 6 Uhr geht’s los! Danach können wir uns die Feuerwache immer noch ansehen“, habe er zu hören bekommen.

Was zunächst nach einem schlechten Scherz klingen mag, war tatsächlich bitterer Ernst. Zahlreiche Gebäude drohten in der Region unter der meterhohen Schneelast einzustürzen, sodass die Dächer schnellstmöglich von den Einsatzkräften geräumt werden mussten. „Jede helfende Hand wurde benötigt, ein Wettlauf gegen die Zeit“, berichtet Ehmen. 

Am nächsten Morgen wurde der 27-jährige von der Grünburger Feuerwehr eingekleidet – inklusive eines für ihn angepassten Klettergurtes, um sich auf den rutschigen Dächern zu sichern. Im Anschluss machten sich die mit Schneeketten ausgerüsteten Feuerwehrfahrzeuge auf den Weg ins Einsatzgebiet nach Rosenau am Hengstpaß.

Dort wurde dem Dötlinger Feuerwehrmann das Ausmaß der Katastrophe bewusst: „Es war mehr Schnee gefallen, als ich jemals zuvor in meinem Leben gesehen hatte – links und rechts der passierbar gemachten Straßen türmten sich mannshohe weiße Wände auf.“

Gemeinsam mit den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten aus Grünburg und unzähligen anderen Einheiten der verschiedenen Hilfsorganisationen begann Ehmen mit der schweißtreibenden Arbeit auf den verschneiten Dächern – immer an einer Leine gegen Absturz gesichert.

Rund acht Stunden lang befreiten die Helfer die Gebäude mit Aluschaufeln und sogenannten Schneehexen von der Last. Mit speziellen Schneidwerkzeugen wurden Schneeblöcke abgestochen, um diese dann auf Planen vom Dach rutschen zu lassen. „Generell gab es keine Patentlösung, jedes Dach war anders und es musste entsprechend der Gegebenheiten improvisiert werden“, so Ehmen. Am Boden seien Radlader eingesetzt worden, um die Schneemassen in LKW zu verladen und abzutransportieren.

Beeindruckt zeigte sich der Dötlinger von der Unterstützung seitens der Bevölkerung: „Die Menschen sind sichtlich dankbar und stellen warme Getränke an jeder Einsatzstelle bereit.“ Generell habe die Versorgung der Helfer hervorragend geklappt.

Mit Einbruch der Dämmerung rückten die erschöpften Feuerwehrleute schließlich wieder ab. Ein weiteres Mal musste Ehmen nicht mehr mit anpacken – die Grünburger Feuerwehr wurde nach mehreren Tagen im Einsatz abgelöst.

Letztlich konnte so auch noch der Besuch des Grünburger Feuerwehrhauses zwei Tage nach dem Hilfseinsatz stattfinden und Ehmen sich ein näheres Bild von der Ausstattung der Wehr machen.